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Hat Spaß gemacht, aber...

Schwerte / Karlsruhe: 08.05.2023 - Artikel von: Benjamin Schweich - Lesedauer ca. 7 Minuten

Sonniges Wetter und viele Marktbesucher. Besser, kann es doch eigentlich gar nicht gehen. - Bild: Björn Schubert 2023

Der Pyramiden-Markt in Karlsruhe, war für viele Karlsruher ein schönes Event bei Sonnenschein. Hier wurden nicht nur Getränke und Futterstuben aufgebaut, sondern auch für die Kunsthandwerker, die ihre eigens entwickelten Gegenstände anboten. Auch 'WolvesTeX' und wir waren dabei und von der Atmosphäre, dem Wetter und diesem Angebot, waren wir ziemlich begeistert. Jedoch hielt sich die Begeisterung auch etwas in Grenzen. Mehr dazu, im Artikel.

Gemeinsam mit dem Gründer von 'WolvesTeX' waren wir vor Ort, direkt vor der Pyramide des Marktes in Karlsruhe und präsentierten die Produkte von Schubert, Jan-Niclas. Am Anfang, waren wir noch recht zuversichtlich, dass der Tag etwas Großes beinhalten würde. Doch die große Erwartung, wurde leider etwas unterboten. Woran es nun gelegen hatte, ließ sich nicht zweifelsfrei aussagen. Möglich war es, dass die Kunden, in Zeiten der Krise, kein Geld mehr ausgeben wollten oder aber, dass andere Gründe vorherrschend waren, die dafür sorgten, dass die Zahl der verkauften Artikel, doch recht bescheiden blieb. Wir haben uns als Marketing-Beobachter dort hingesetzt und die möglichen Kunden analysiert und einiges Interessantes festgestellt.

Nicht der richtige Markt

So etwas Extravagantes, wie die Bekleidungsauswahl von 'WolvesTeX', schien auf diesen Markt wohl nicht sonderlich zum Kaufen angeregt zu haben. Da der Stand dieses Unternehmens, genau an den Aufgängen der U-Bahn zu finden war, vernahmen wir relativ viel Laufkundschaft, die den Stand von Schubert jedoch wenig Beachtung schenkte. Obwohl der kreative Aspekt auf diesem Markt im Fokus lag, schienen Kunden zwar interessiert zu sein, aber nicht sonderlich in Kauflaune. Die Meisten davon, die am WolvesTeX-Stand vorbeiliefen, trugen bereits Papiertüten von anderen Geschäften mit einem breitgefächerten Markenspektrum herum. Namhafte Markenprodukte steckten darin und, wenn man weiß, was zum Beispiel ein To* Ta***-Shirt zu kosten vermag, wird man sicherlich nicht noch Geld hinblättern, für eine Marke die keinen besonders hohen Stellenwert in der Branche hat. Dies soll keinesfalls eine Kritik sein. Jedoch schienen die Kunden bereits, bei teuren Marken oder Massenwaren-Produzenten, ihr Geld gelassen zu haben, sodass dieser Stand dann eher uninteressant für die Kunden wurde.

Der WolvesTeX-Stand vor der Pyramide. Ein Hingucker, der jedoch nicht sonderlich Hingucker wurde - Bild: Björn Schubert 2023

Um mal auf die Überschrift zurückzukommen: Es war nicht der passende Markt für diese Auswahl an Produkten. Klar, wurde hier natürlich trotzdem der Fokus auf Kreativität gelegt. Jedoch fand gleichzeitig auch, ein Musikfestival statt und die meisten Kunden schienen wohl nur dorthin zu gehen, um gemütlich ein Bierchen zu trinken, Kaffee ging auch gut und sich durch die verschiedenen Food-Trucks zu futtern. Für die Stände, die nichts mit Essen und Trinken zu tun hatten, gab es kaum oder gar keine Begeisterung zu verspüren. An der Auffälligkeit des Standes von 'WolvesTeX' allerdings, konnte es nicht gelegen haben, weil schon alleine die Schilder, knietsch bunt waren und sowas, fällt ins Auge.

Zu hochpreisig?

Viele der interessierten Kunden, kamen zum Stand hin, warfen einen kurzen Blick auf die Auswahl, die dort ausgestellt wurde und nachdem sie die Preise sahen, drehten sie direkt wieder um und verließen den Stand. Eines musste klar sein: Das waren alles handgefertigte Hoodies und T-Shirts mit ausgewählten Stoffen, die bereits im Einkauf schon recht hochpreisig waren. Kalkulation war das oberste Gebot, um kein Minusgeschäft zu machen. Die Kunden jedoch, erwarteten wohl augenscheinlich eher Produkte, im Kik-Preissektor, was umgehend das Geschäft ruiniert hätte, sofern WolvesTeX seine Produkte zu günstig verkauft hätte. Auch nach der drastischen Preisreduzierung, kam kaum ein Kunde, der sich etwas gekauft hat, weil die meisten davon wohl schon, in der Stadt zu viel Geld ausgegeben hatten. Nach der Preissenkung, kam dann aber ein Kunde, der unbedingt ein T-Shirt kaufen wollte, wo wir schon von Anfang an sagten, dass der wegginge wie warme Semmeln. Chas rechnete damit, bevor der Markt überhaupt eine Rede war, dass dieses Shirt nicht lange dort verweilen würde und er behielt Recht. Nach knapp einer Stunde, die wir auf diesen Markt verbrachten, ging dieses Shirt (links im Bild) bereits über die Theke. "Ich glaube, wir sollten uns in Zukunft, genau auf solch sportliche Shirts beschränken.", dies war der Gedanke von Chas, nachdem der Kauf abgewickelt war. Andere Produkte wie die, die sich im Pride-Stil aufhielten, verkauften sich auf diesen Markt so gut wie gar nicht. Entweder gab es dort wenig Personen, die sich damit identifizieren konnten oder aber, der Preissektor war für die Einen oder Anderen, zu hoch angesetzt. Tiefer ging es aber nun wirklich nicht mehr und letztlich entschied der Gründer, die Preise so stark herabzusetzen und auf seinen Gewinnanteil zu verzichten, was aber auch wenig Erfolge erzielte. Je später der Abend wurde, umso frustrierender wurde es teilweise, weil irgendwann nicht einmal ein Kunde am Stand stehenblieb. Die Fußball-Fans des Karlsruher SC, bemerkten uns nicht einmal und schienen auch, obwohl das Spiel gewonnen wurde, recht ungehalten von ihrem Mannschaftsieg gewesen zu sein. "Die sind aber ganz schön ruhig heute.", so eine Passantin, der diese ruhige Art der Fans ebenfalls auffiel. "Vielleicht haben sie verloren.", vermutete Chas, weil er es selbst vom BVB-Spiel kannte. Waren die Fans ruhig und friedlich, verloren sie meist das Spiel. Doch in Baden-Württemberg, schien es wohl anders zu laufen.

Fazit

Die Atmosphäre des Pyramiden-Marktes in Karlsruhe, war richtig schön. Der Markt wurde reich besucht, es gab ein tolles Musikangebot und für das leibliche Wohl - auch zum dortigen Verbleib - wurde gesorgt. Um einen Start-Up allerdings bekannt genug zu machen, war dieser Markt leider nicht so gut geeignet. Vielleicht waren die Kunden auch nicht so, auf den Kauf beschränkt, sondern behielten lieber ihr Geld für sich. Unsere Standnachbarn, die schon öfter dort vor Ort waren, sagten das gleiche aus. Wer also das große Geld wittert, der sollte sich nicht unbedingt diesen Markt aussuchen. Dafür, dass die Standgebühren zwar gratis waren, musste man aber leider noch das Parkhaus und die Anreise mit einberechnen und es hätten für 'WolvesTeX' einige Verkäufe stattfinden müssen, um diese Kosten später, wieder zurückzubekommen. Man konnte also sagen, dass dies ein +/- Geschäft war, weil die Tankpreise auf der Hinfahrt leider nicht günstig waren.

Der Standort

Einen besseren Standort, konnte man sich eigentlich nicht aussuchen. Der Stand von 'WolvesTeX' war dort, bei der U-Bahn perfekt. Allerdings hätte sich dieses Unternehmen eher, auf Nippes beschränken müssen, um wenigstens einen Großteil seiner Waren an den Mann bringen zu können. Bekleidung aus Handarbeit zu verkaufen, schien den Kunden wohl, viel zu speziell gewesen zu sein. "Auf Märkte gerne wieder, aber nicht mehr dieser in Karlsruhe.", meinte Chas wenig später. Perfekter wäre dann ein Markt, der sich ausschließlich nur, auf die Handwerkskunst beschränken würde. Doch diese zu finden, noch im Sommer, ist sehr schwierig, weil die meisten Märkte in nächster Zeit bereits, einen Anmeldeschluss erfahren. Besonders in großen Städten, braucht man teilweise schon 4-6 Wochen im Voraus, um sich rechtzeitig dafür anzumelden. Leider sind solche Standplätze heißbegehrt und zudem auch, nicht gerade kostengünstig. Wer sich also ein Standbein aufstellen möchte, der sollte auf den Pyramiden-Markt in Karlsruhe, vielleicht keine Kleidung verkaufen.

Quellenangaben
Bilder von: Björn Schubert (Chas York)
Text: Benjamin Schweich
(C) by YORK INTERNATIONAL 21 (2023)

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